Double loop learning: Annahmen hinterfragen & mit Querdenken durchstarten - Retrospektive Methode

Teams neigen dazu, sich – wenn überhaupt – irgendwann nur noch inkrementell, in kleinen Schritten zu verbessern. Und das ist erstmal sehr gut. Aber gleichzeitig hat man manchmal auch gewohnte Verhaltensweisen, mit denen man sich arrangiert hat. Hier fällt es schwer, aus dem Trott auszubrechen. 

Wenn das bei euch so ist, wird es Zeit für den folgenden Workshop, der die Augen öffnet und zum Querdenken anregt. Und zwar durch “Double Loop Learning”. Aber lest selber.

Die Übung

Folgende Übung hilft euch – und vor allem dem Team dabei, zu verstehen, was “Double Loop Learning” ist. Einfach den folgenden Schritten folgen:

  • Das Team stellt sich im Kreis auf.
  • Es wird eine Reihenfolge im Team festgelegt, von 1 bis X = Anzahl der Teammitglieder. Die Reihenfolge wird dabei im Zick-Zack mit der immer gegenüberliegenden Person festgelegt – siehe Bild.
  • Jedes Teammitglied wirft nach der Reihenfolge der gegenüberliegenden Person (Person 1 zu Person 2, Person 2 zu Person 3; siehe Bild) einen Ball (z.B. Tennisball) zu – so schnell es geht und möglichst ohne, dass der Ball hinfällt.
  1. Dabei wird die Zeit gemessen – und die Anzahl der Fehler (wie oft der Ball hinfällt). Die Ergebnisse jedes Versuches kannst du auf einem Flipchart für alle sichtbar festhalten, um so die “inkrementellen Verbesserungen” des Teams festzuhalten.

  2. Danach wiederholt man das gleiche mit zwei Bällen – ggf. auch drei.

    1. Hier sollte man ein paar Runden drehen, damit das Team sich selber gegenseitig motiviert, um besser zu werden.
    2. Der Rekord wird wahrscheinlich bei ca. 20 – 40 Sekunden sein (je nach Anzahl der Teammitglieder)
  3. Jetzt bekommt der/die Scrum Master*in einen Anruf aus Japan – ein Team aus Japan schafft die gleiche Herausforderung in unter 5 Sekunden! Man könnte auch sagen, die Japaner können das Produkt viel besser produzieren.

    1. Also nennt der Scrum Master das Angebot: Das Hin- und Her-Werfen der Bälle ist quasi euer Produkt, und der Kunde hat das Kriterium “möglichst schnell” für das Produkt. Schafft ihr es als Team, ein besseres Produkt als die Japaner zu entwickeln? Also die Übung in unter 5 Sekunden zu vollziehen?
  4. An der Stelle wird das Team nachdenklich: “Achso, man darf die Regeln hinterfragen?!” Typischerweise kommen jetzt die (durchaus erlaubten) Ideen: “Okay, wir müssen uns den Ball ja nicht zuwerfen – wir können ihn uns auch einfach in die Hand geben. Und außerdem müssen wir ja auch nicht immer Zick-Zack werfen – man kann sich ja auch direkt in der richtigen Reihenfolge nebeneinander stellen.”

    1. Evtl. kommt das Team darauf, dass man mit den Händen eine Spirale bildet und jeder den Ball nur kurz einmal mit einer Hand berührt – oder auf andere kreative Lösungen. Unter 5 Sekunden ist dann gut machbar.
    2. Dem Team kann hierfür wieder ein paar Minuten Zeit gegeben werden. Es sollte aber nach ein paar Minuten ausprobieren bald eine Deadline von 3 Minuten gesetzt werden. 
  5. Damit das Team ein Erfolgserlebnis hat, kann im Notfall auch ein kleiner Tipp gegeben werden. Eine wirklich gute Zeit könnte so bei 2 Sekunden liegen.

  6. Am Ende können sich alle wieder hinsetzen. Und die (hoffentlich erlebte) “Moral der Geschicht” ist dann: Wenn man Regeln hinterfragt, kann man radikal besser werden.

Zur Besprechung in der Retro

Wenn man mit der Übung durch ist, ist der richtige Moment, auf die Ergebnisse der Retro zu schauen. Folgende Items solltet ihr abgefragt haben:

  • In meinem Team hinterfragen wir regelmäßig unsere gewohnten Vorgehensweisen.
  • Wir hinterfragen einmal getroffene Entscheidungen, wenn neue Erfahrungen oder Fakten dafür sprechen.
  • Wenn ich den Sinn von Aufgaben nicht verstehe, hinterfrage ich sie, anstatt sie einfach umzusetzen.

Wenn ihr dazu im Vorfeld der Retro Feedback vom Team einholt, habt ihr eine “unbiased” Meinung des Teams und könnt die folgenden Fragen valide beantworten: Würdet ihr wirklich sagen, dass ihr eure gewohnten Vorgehensweisen hinterfragt? Hinterfragt ihr Entscheidungen wirklich? Oder den Sinn von Aufgaben? An welchen Stellen könnte das vielleicht Potenziale sichtbar machen?

Einen Schritt weiter

Ihr habt jetzt hoffentlich die Aufmerksamkeit des Teams. Um diese Aufmerksamkeit und Bereitschaft zu nutzen, und die Grundlage für radikale Weiterentwicklungen zu legen, könnt ihr den den Schritten folgen: 

  • Stellt die folgende Frage, die erstmal jeder für sich beantwortet: Was sind von euch als Team ganz fest angenommene Annahmen – ohne Grund? Seid dabei radikal: “Man darf das Management nicht enttäuschen. Man muss pünktlich sein. Jüngere Teammitglieder müssen ältere Teammitglieder respektieren.” Welche unausgesprochenen Regeln gibt es?

  • Nachdem ihr die Ergebnisse – ohne gegenseitige Kommentare – z.B. in Kleingruppen zusammengetragen habt, kommt die Stelle, an der ihr einmal offen und kritisch hinterfragen könnt:

    • Ist das bei jeder dieser fest angenommenen Annahmen gerechtfertigt?
    • Was würde passieren, wenn ihr das Gegenteil dieser Aussagen tun würdet? Wovor hättet ihr Angst? Wäre sie gerechtfertigt?
    • Wenn ihre diese Annahmen nur als Hypothesen betrachten würdet – welche davon würdet ihr gerne einmal überprüfen? Mithilfe welches Experiments wäre das möglich?
    • Welche Regel müssten wir brechen, um einen riesigen Hebel zu schaffen? 
    • Wo gäbe es vielleicht sogar nur einen geringen Widerstand?

Hier geht es nicht darum, Anarchie zu schaffen. Aber es geht darum, zu sensibilieren, dass viele Dinge einfach hingenommen werden, ohne, dass sie hinterfragt werden. Obwohl an solchen Stellen großes Potenzial schlummern kann.

Psychologischer Hintergrund

Was hier im Team stattfindet, nennt man auch “Double Loop Learning”: Man hinterfragt zweifach, und kommt somit quasi auf die Grundannahmen seines Weltbilds. Darüber kann man dann wiederum sein Weltbild präzisieren und die Grundlage für Weiterentwicklungen legen.

Mehr Infos dazu findet ihr in diesem (mittelmäßigen) Video, das Double Loop Learning nochmal anschaulicher erklärt. 

Wir sind gespannt, welche Regeln ihr so alles unausgesprochen über euch ergehen lasst. 

Jetzt, nachdem ihr vielleicht etwas innovativer geworden seid: Wenn ihr beim nächsten mal eure  Kommunikation verbessern  oder die  Motivation steigern  m%C3%B6chtet, dann schaut gerne in die entsprechenden  Retros mit Echometer .

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Beides sind voneinander unabhängige Softwarelösungen, sie können also losgelöst voneinander genutzt werden.

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