Was ist eine Retrospektive? Definition, Ablauf & Beispiele
Eine Retrospektive ist ein regelmäßiges Teammeeting, in dem Teams auf die Zusammenarbeit der letzten Iteration, Projektphase oder eines Zeitraums zurückblicken, daraus lernen und konkrete Verbesserungen vereinbaren. Sie beantwortet die Frage “Was hat unsere Zusammenarbeit besser oder schlechter gemacht?” und schafft damit die Grundlage für kontinuierliche Verbesserung.
Kurz erklärt
Retrospektive - kurz & verständlich erklärt
Eine Retrospektive ist ein strukturiertes Team-Meeting, bei dem ein Team die vergangene Zusammenarbeit reflektiert und daraus konkrete Verbesserungsmaßnahmen ableitet. Ziel ist kontinuierliche Verbesserung (Kaizen) und eine offenere Teamkultur. Retrospektiven finden typischerweise nach Sprints, Projekten oder regelmäßigen Zeitabschnitten statt.
Grundlagen
Was ist eine Retrospektive?
Definition der Retrospektive
Der Begriff stammt vom lateinischen “retrospicere” (zurückblicken). In der Kunst bezeichnete eine Retrospektive ursprünglich eine Ausstellung über das Lebenswerk einer Person. Im Arbeitskontext geht es zusätzlich darum, aus dem Rückblick konkrete Veränderungen für die Zukunft abzuleiten.
Eine Retrospektive ist keine Schuldzuweisung, sondern ein strukturierter Lernprozess für die Zusammenarbeit. Wichtig ist die Abgrenzung zu ähnlichen Formaten:
- Sprint Review: Fokus auf Produkt und Ergebnis, nicht auf die Zusammenarbeit. Siehe Sprint Review vs. Retrospektive .
- Lessons Learned: meist einmalig am Projektende, Retrospektiven finden regelmäßig statt. Siehe Lessons Learned vs. Retrospektive .
- Feedbackrunde: oft informell; eine Retrospektive folgt einem klaren Ablauf und führt zu messbaren Maßnahmen.
Siehe auch: Zweck und Nutzen von Retrospektiven (einfach erklärt)
Ziel und Zweck einer Retrospektive
Eine Retrospektive verfolgt drei zentrale Ziele:
- Aus der Vergangenheit lernen und Muster erkennen
- Konkrete Verbesserungsmaßnahmen vereinbaren
- Vertrauen, Transparenz und Teamkultur stärken
Nutzen
Warum sind Retrospektiven wichtig?
Nutzen und Vorteile von Retrospektiven
- Kontinuierliche Verbesserung (Kaizen) statt Stillstand
- Frühzeitiges Erkennen von Problemen in Prozessen und Zusammenarbeit
- Höhere Teamzufriedenheit durch Beteiligung und Transparenz
- Bessere Ergebnisse, weil echte Ursachen sichtbar werden
Mögliche Nachteile und Herausforderungen
- Alibi-Retros ohne klare Ergebnisse oder Umsetzung
- Wiederholungen ohne Fortschritt (“Schon wieder dieselbe Diskussion”)
- Unsicherheit oder Angst vor Offenheit im Team
- Zeitaufwand ohne klaren Fokus
Agilität
Retrospektiven und Agilität
In Scrum ist die Sprint Retrospective ein fester Bestandteil jedes Sprintzyklus. Sie ist das Herzstück der empirischen Arbeitsweise: Inspektion und Anpassung. Eine gute Einführung findest du im Scrum Guide sowie in unserem Beitrag Retrospektiven und Scrum .
Retrospektiven funktionieren aber nicht nur in Scrum. Auch Kanban-Teams oder OKR-Zyklen profitieren von regelmäßigen Rückblicken:
- Kanban: Service Delivery Reviews reflektieren Fluss und Zusammenarbeit (siehe Service Delivery Reviews).
- OKR: Am Ende eines OKR-Zyklus kann eine OKR-Retrospektive helfen, Ziele und Messung zu verbessern.
Ablauf
Der Ablauf einer Retrospektive - die 5 Phasen
Unabhängig vom Format folgt eine Retrospektive meist einem bewährten Muster. Eine detaillierte Beschreibung findest du hier: Ablauf und die Phasen einer Retrospektive .
- Set the Stage - Rahmen schaffen, Ziel klären und Sicherheit herstellen
- Daten sammeln - Fakten, Eindrücke und Gefühle zusammentragen
- Erkenntnisse gewinnen - Muster erkennen und Ursachen verstehen
- Maßnahmen ableiten - 1-2 konkrete Action Items vereinbaren
- Abschluss - Commitment sichern und Feedback zur Retro einholen
Rahmen
Organisation & Rahmenbedingungen
Wann und wie oft findet eine Retrospektive statt?
Die meisten Teams führen Retrospektiven regelmäßig durch, z. B. alle 1-4 Wochen. Die optimale Frequenz hängt von Teamgröße, Projektphase und Veränderungstempo ab.
Wie lange dauert eine Retrospektive?
Als Faustregel gelten 60-90 Minuten. Für kurze Sprints oder kleine Teams sind auch 30-45 Minuten möglich. Weitere Tipps: kurze Retrospektiven .
Wer nimmt an einer Retrospektive teil?
Typischerweise das gesamte Team sowie eine Moderation (Scrum Master oder rotierend im Team). Ob Führungskräfte dabei sind, hängt vom Kontext ab. Mehr Details findest du hier: Wer nimmt an einer Retrospektive teil?
Prinzipien
Regeln & Prinzipien für erfolgreiche Retrospektiven
Die wichtigste Regel ist die Prime Directive (Oberste Direktive). Sie schafft psychologische Sicherheit und verhindert Schuldzuweisungen:
Unabhängig davon, was wir herausfinden, müssen wir davon ausgehen, dass jede/r das Beste getan hat, was er/sie angesichts seines/ihres Wissens, Fähigkeiten und Fertigkeiten, der verfügbaren Ressourcen und der gegebenen Situation tun konnte.
- Norman L. Kerth, Projekt-Retrospektiven: Ein Handbuch für Team-Reviews
Weitere Prinzipien:
- Fokus auf Verbesserung, nicht auf Schuld
- Alle Stimmen zählen (ausgewogene Gesprächsanteile)
- Maßnahmen müssen verbindlich sein
- Lernen ist wichtiger als Perfektion
Mehr Praxiswissen: Die große Analyse von 30.000 Retrospektiven und 20+ Moderationstipps .
Hürden
Typische Stolpersteine bei Retrospektiven (und wie man sie vermeidet)
Menschliche Stolpersteine
- Angst vor Offenheit oder Konflikten
- Dominante Personen verdrängen leisere Stimmen
- Schweigende Teammitglieder ohne aktive Einbindung
Prozessuale Stolpersteine
- Keine Nachverfolgung der Maßnahmen
- Immer gleiches Format ohne Variation
- Zu wenig Zeit für echte Reflexion
Tool- & Format-Stolpersteine
- Ungeeignete Tools oder zu komplexe Methoden
- Remote-Retros ohne klare Struktur und Moderation
- Fehlende Visualisierung von Ergebnissen
Gerade bei Remote- oder Hybrid-Teams lohnt sich ein klarer Ablauf und ein passendes Tool: Remote Retrospektiven . Retrospektiven sind außerdem ein starker Hebel für Remote Teambuilding .
Praxis
Praktische Tipps für effektive Retrospektiven
- Starte jede Retro mit einer klaren Leitfrage
- Variiere Methoden (z. B. Keep-Stop-Start, Segelboot, Starfish )
- Fokussiere 1-2 echte Verbesserungen statt langer Wunschlisten
- Formuliere Maßnahmen SMART und mit Verantwortlichen
- Prüfe in der nächsten Retro, was umgesetzt wurde
Wenn du direkt starten willst, probiere eine einfache Methode wie Keep-Stop-Start aus:
Keep Stop Start Retro: So läuft die Retro ab
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Random Icebreaker (2-5 Minuten)
Echometer stellt euch einen Generator für zufällige Check-in-Fragen bereit.
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Review der offenen Maßnahmen (2-5 Minuten)
Bevor man mit neuen Themen loslegt, sollte man einmal zur Wirksamkeitskontrolle darüber sprechen, was aus den Maßnahmen aus vergangenen Retrospektiven geworden ist. Echometer listet automatisch alle offenen Action Items aus vergangenen Retros auf.
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Retro-Themen besprechen
Nutzt die folgenden offenen Fragen, um eure wichtigsten Erkenntnisse zu sammeln. Zuerst verdeckt jeder für sich. Echometer erlaubt es jede Spalte des Retro-Boards einzeln aufzudecken, um das Feedback dann anschließend zu präsentieren und zu gruppieren.
- Keep: Was sollten wir beibehalten?
- Stop: Womit sollten wir aufhören?
- Start: Was sollten wir anfangen zu tun?
-
Catch-all Frage (Empfohlen)
Damit auch sonstige Themen einen Platz haben:
- Über was möchtest du sonst noch in der Retro reden?
-
Priorisierung / Voting (5 Minuten)
Auf dem Retro-Board in Echometer könnt ihr das Feedback ganz einfach mit dem Voting priorisieren. Das Voting ist natürlich anonym.
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Maßnahmen definieren (10-20 Minuten)
Über das Plus-Symbol an einem Feedback kann man eine verlinkte Maßnahmen erstellen. Noch nicht sicher welche Maßnahme die richtige wäre? Dann öffne über das Plus-Symbol stattdessen ein Whiteboard zu dem Thema um Kernursachen und mögliche Maßnahmen zu brainstormen.
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Checkout / Closing (5 Minuten)
Echometer ermöglicht euch anonymes Feedback vom Team einzusammeln, wie hilfreich die Retro war. Daraus entseht der ROTI-Score ("Retrun On Time Invested"), den ihr über die Zeit tracken könnt.
Keep Stop Start Retro

Offene Fragen
Nach ein bis zwei Durchläufen hast du ein gutes Gefühl für Ablauf und Moderation.
Beispiele
Beispiele für Retrospektiven
Beispiel aus einem Scrum-Team
Nach einem zweiwöchigen Sprint nutzt das Team eine Keep-Stop-Start-Retro, sammelt Feedback, priorisiert zwei Themen und legt ein Action Item fest (z. B. “Definition of Done schärfen”).
Beispiel aus einem nicht-agilen Team
Ein Marketing-Team blickt monatlich auf Kampagnen zurück, analysiert Engpässe in der Abstimmung und beschließt, Briefings künftig mit einer klaren Checkliste zu starten.
Beispiel aus Workshop oder Projektabschluss
Nach einem Kundenprojekt reflektiert das Team gemeinsam mit Stakeholdern, was in Kommunikation und Übergabe gut lief und welche Punkte im nächsten Projekt anders laufen sollen.
Falls du nach konkreten Beispielen für die Gestaltung von Retrospektiven suchst, wird du hier fündig: Simple Retrospektive Bespiele
Einsatzbereiche
Retrospektive außerhalb von Scrum & IT
Retrospektiven funktionieren überall dort, wo Teams lernen und sich verbessern wollen:
- Marketing-, HR- und Führungsteams
- Projektteams nach Events oder Releases
- Persönliche Retrospektiven (z. B. Monats- oder Jahresrückblick)
Checkliste
Checkliste für deine erste Retrospektive
- Vorbereitung: Ziel und Zeitraum klären, Methode wählen, Teilnehmende einladen
- Durchführung: Sicherheit schaffen, Daten sammeln, Erkenntnisse ableiten
- Nachbereitung: Maßnahmen dokumentieren, Verantwortliche benennen
- Erfolgskontrolle: In der nächsten Retro Fortschritt prüfen
FAQ
Häufig gestellte Fragen zur Retrospektive (FAQ)
Was ist eine Retrospektive?
Eine Retrospektive ist ein strukturiertes Teammeeting, in dem ein Team die Zusammenarbeit eines vergangenen Zeitraums reflektiert und konkrete Verbesserungen vereinbart. Sie findet regelmäßig statt (z. B. nach einem Sprint oder Projektabschnitt) und dient der kontinuierlichen Verbesserung.
Warum sind Retrospektiven wichtig?
Retrospektiven helfen Teams, Probleme früh zu erkennen, Ursachen zu verstehen und gemeinsam Verbesserungen zu beschließen. Dadurch steigen Transparenz, Teamzufriedenheit und Ergebnisqualität.
Welche Schritte gehören zu einer Retrospektive?
Typisch sind fünf Phasen für Retrospektiven: Rahmen schaffen, Daten sammeln, Erkenntnisse gewinnen, Maßnahmen ableiten und Abschluss. Der genaue Ablauf kann variieren, sollte aber immer zu konkreten Action Items führen. Es gibt neben den klassischen 5 Phasen von Retrospektiven aber auch das Modell des doppelten Diamanten für die Phasen der Retrospektiven , welches für Moderator*innen von Retrospektiven ein intuitiveres Bild für eine gelungene und ergebnisorientierte Moderation gibt.
Wie misst man den Erfolg einer Retrospektive?
Der Erfolg von Retrospektiven zeigt sich daran, dass vereinbarte Maßnahmen umgesetzt werden und messbare Verbesserungen entstehen. Teams nutzen dafür neben Produktivitätskennzahlen (die mit Vorsicht zu genießen sind) z. B. die Nachverfolgung von Action Items, Trends auf Feedback-Skalen in Team Health-Check- / Pulse-Check-Umfragen.
Für welche Teams sind Retros geeignet?
Retrospektiven eignen sich für jedes Team, das seine Zusammenarbeit verbessern möchte - unabhängig davon, ob es agil arbeitet oder nicht.
Besonders hilfreich sind Retros, wenn:
- regelmäßige Zusammenarbeit und gemeinsame Ziele bestehen
- Teams offen über Probleme sprechen können oder daran arbeiten wollen
- der Wunsch da ist, Prozesse sichtbar zu machen und zu verbessern
Auch neue Teams können Retros durchführen. Entscheidend sind ein sicherer Rahmen und eine klare Moderation.
Fazit
Fazit - Warum Retrospektiven echte Veränderung ermöglichen
Retrospektiven sind mehr als ein Ritual: Sie machen Zusammenarbeit sichtbar, schaffen Raum für Lernen und führen zu konkreten Verbesserungen. Wer sie bewusst moderiert und Maßnahmen wirklich verfolgt, setzt kontinuierliche Veränderung im Team in Gang.
Retrospektive in Echometer ausprobierenCredits: Woman thinking photo created by wayhomestudio - freepik