Sowohl Scrum als auch OKR erfreuen sich als Frameworks in der agilen Community aktuell großer Beliebtheit. Scrum kommt eher aus der Welt der Softwareentwicklung, OKRs eher aus der Strategie. Aber lassen sich diese Methoden auch vereinen und integriert nutzen? Geht „OKR vs. Agile mit Scrum“ zusammen?
Ja, das geht! Hier erfährst du worauf es dabei ankommt:
Die Ziele von Scrum & OKR verstehen – sind beide agil?
Bevor wir mit der Umsetzung starten, sollten wir eine wichtige Frage beantworten: Passen Scrum und OKRs eigentlich von ihren Zielsetzungen her zusammen?
Lasst uns das einmal gemeinsam prüfen.
Die spezifischen Ziele einer Scrum-Einführung in jeder Organisation können natürlich vom Schwerpunkt her variieren. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass sich die Ziele von Scrum aus dem Scrum Guide ableiten und vor allem folgende Punkte umfassen:
- Die Entwicklung von Lösungen für komplexe Probleme
- Schnelle Anpassung an neue Erkenntnisse durch Transparenz und Räume zur Reflexion sowie Eigenverantwortung
- Ein iteratives Vorgehen mit nutzbaren Zwischenergebnissen
Bei OKRs stehen folgende Ziele im Mittelpunkt:
- Einheitliches Verständnis über und Fokussierung auf die wichtigsten Prioritäten einer Organisation
- Messbare Zielsetzungen innerhalb einer Organisation schaffen
- Verbesserung der cross-funktionalen Kommunikation und Ausrichtung einer Organisation
Scrum zielt also primär auf die Arbeit an einem Produkt innerhalb von Teams ab, während es bei OKRs um die Team-übergreifende Transparenz und strategische Ausrichtung angeht. Damit können wir feststellen, dass die Zielsetzungen von OKRs und Scrum verschieden, aber nicht konträr sind. Vielmehr ergänzen sich OKR und Scrum in ihren Zielsetzungen.
Kommen wir damit nun zur Praxis:
Scrum und OKR teilen vergleichbare agile Workshop Formate
Schauen wir uns die Scrum und OKR Zyklen mit ihren Workshops im Vergleich an, werden die Überschneidungen deutlich:
Scrum Zyklus & Workshops |
OKR Zyklus & Workshops |
Sprint Planning |
ORK Planning |
Dailies |
OKR Check-Ins |
Sprint Review |
OKR Review |
Sprint Retrospektive |
OKR Retrospektive |
💡 Bei Fragen zu den einzelnen OKR Workshops schaut gerne in diesem Blogartikel vorbei.
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Diese Überschneidung ist kein Zufall, da sowohl Scrum als auch OKRs auf dem klassischen Demingkreis Modell aufsetzen: Planen – Umsetzen – Überprüfen – Handeln. Es ist also viel weniger „Agile vs OKR“, sondern „Agile & OKR“.
Wie lassen sich diese agilen Workshops/ Formate also zusammenbringen?
Scrum Sprints und OKR Zyklen angleichen
Die OKR Workshops müssen nicht zwangsläufig neue, separate Termine in den Kalendern der Scrum-Teams bedeuten. Je nach Arbeitsweise der Teams lassen sich die OKR Workshops in bestehende Routinen einbauen. Ein Scrum-Team hat beispielsweise eine Reihe von thematisch überlappenden Terminen, an denen sich die OKR Workshops andocken lassen.
Zu beachten dabei ist, dass der Scrum-Zyklus in der Regel nicht mit dem OKR-Zyklus übereinstimmt. Die OKR-Zyklen sind häufig länger quartalsweise bis halbjährlich, während Scrum Sprints eher wöchentlich bis monatlich stattfinden.
Man sollte die Zyklen daher so abstimmen, dass man in jedem x-ten Scrum-Zyklus einen neuen OKR-Zyklus anstößt:
- Sprint Planning → inkl. OKR Planning jedes x-te Mal
- Sprint Review → inkl. OKR Review jedes x-te Mal, ansonsten inkl. OKR Check-In
- Sprint Retro → inkl. OKR Retro jedes x-te Mal
Scrum und OKR lassen sich also trotz ihrer unterschiedlichen Hintergründe und zeitlichen Horizonte sehr wohl miteinander als agile Arbeitsweisen vereinen. Damit diese Verknüpfung sinnvoll klappt, bedarf es allerdings weiterer Abstimmung zwischen den beiden Frameworks:
Abstimmung von Scrum’s Sprint Zielen mit OKRs
Ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Rhythmus, ist dass das Scrum-Team über die Scrum Zyklen hinweg zumindest thematisch an den gleichen Werthebeln arbeitet, die auch in dem OKR Zyklus aufgegriffen werden.
Wenn die Sprint-Themen innerhalb eines OKR Zyklusses zu gänzlich unterschiedlichen Werthebeln wechseln, die nicht im OKR berücksichtigt wurden, sollte man tendenziell einen kürzeren OKR Zyklus auswählen.
Ein Blick in die Product-Roadmap kann also helfen geeignete OKRs zu definieren, die über alle Sprints hinweg geeignet sind den Erfolg zu messen.
Beispiel: Gute Sprint & OKR-Abstimmung | Beispiel: Schlechte Sprint & OKR-Abstimmung |
Entsprechend der Product Roadmap arbeitet das Scrum-Team im nächsten Quartal an verschiedenen Features zur schnelleren Durchführung von Prüfungen der Kreditwürdigkeit. Das OKR des Teams sieht daher verschiedene Messgrößen vor, die dieses Ziel abwickeln. In jedem Sprint des Quartals werden verschiedene Themen fokussiert, die auf das OKR einzahlen. | Die Product Roadmap sieht vor, dass im nächsten Quartal verschiedene UX-Verbesserungen umgesetzt werden sollen. Das Team entscheidet sich die Schnelligkeit des Registrierung neuer Nutzer als Key Result zu definieren. Schon nach drei Wochen ist die Optimierung des Registers abgeschlossen und das Team widmet sich anderen UX-Verbesserungen, die nicht mehr mit dem Key Result zusammenhängen. |
✅ Die Sprint-Themen zahlen über den gesamten OKR-Zyklus auf die definierten Key Results ein. | ❌ Die Sprint-Themen zahlen auf kein aktuelles Key Result mehr ein. |
Sobald die Sprint-Ziele von den OKRs abweichen, sollte man sich Gedanken machen entweder den OKR-Zyklus zu verkürzen, oder innerhalb des OKR-Zyklusses neue Key Results aufzunehmen, die die tatsächlichen Sprint-Themen reflektieren.
Fazit: Agiles Arbeiten mit OKR & Scrum – sogar besser zusammen
Wie wir festgestellt haben, sind die Zielsetzungen von OKRs und Scrum verschieden, aber kompatibel. Sowohl Scrum als auch OKR folgen durch ihr iteratives, Evidenz-basiertes Vorgehen den agilen Prinzipien. Man kann sogar sagen, dass beide Frameworks sich gewissermaßen ergänzen.
Mit ein paar guten Vorüberlegungen lassen sich OKRs mit Scrum in der Praxis vereinen, um die Vorteile beider Frameworks im agilen Arbeiten zu nutzen. Dabei muss man Teams nicht mit neuen Terminserien überhäufen, sondern kann die Formate auch clever integrieren.
Natürlich wird eine Kombination von Scrum und OKR kein Selbstläufer. Wie immer bedarf die Implementierung mehrerer Iterationen und eines guten Reflexionsprozesses. Wahrscheinlich gibt es viele weitere Fallen, die sich erst in der Praxis herausstellen. Daher empfehle ich dir, hier nachzulesen, wie du OKR Retrospektiven gezielt Reflexionen zu den Erfolgsfaktoren von OKRs generierst und die OKR-Methodik damit kontinuierlich weiterentwickelt.
Hast du Erfahrungswerte mit Scrum und OKRs, die du teilen möchtest? Oder sind Fragen zu der Integration der beiden Frameworks offen geblieben? Dann vernetze dich gerne mit mir und Echometer auf LinkedIn und stell mir deine Fragen!
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Foto von Tachina Lee auf Unsplash