agile at scale

Agile at Scale: Die 5 wichtigsten Frameworks im Vergleich

Agile Frameworks helfen Unternehmen, schneller und zuverlässiger an Kunden auszuliefern. Dabei ist es recht einfach, Agile in einzelnen Teams zu implementieren. Die Herausforderung liegt darin, agiles Arbeiten in der gesamten Organisation umzusetzen. 

Ich zeige dir, mit welchen Frameworks du Scaled Agile für dein Unternehmen angehen kannst und auf welche 7 Prinzipien du dabei achten solltest. Und: Ich erkläre dir, wie du unabhängig vom Framework Agile in 6 Schritten skalieren kannst.

 

Agile vs. Scaled Agile

Die Begriffe „Agile“ und „Scaled Agile“ hängen eng zusammen:

Was ist Agile?

Agile beschreibt die iterative Denk- und Verhaltensweise, um Produkte flexibel zu entwickeln und zu verwalten. Dazu arbeiten in der Regel selbstverwaltende, funktionsübergreifende Teams an einem Produkt. Das Produkt kann jede Art von Ergebnis sein. So kann es sich dabei beispielsweise um eine Software, eine Marketing-Kampagne oder eine Prozessverbesserung handeln.

Das Konzept der Agilität geht auf Toyotas Ansatz der schlanken Produktion zurück. In den 1940er Jahren wollte Toyota seine Produkte so kontinuierlich verbessern und weniger Ressourcen verschwenden. In den 90ern nahm die Softwareindustrie diese Grundsätze auf. Agile bezog sich hier vor allem auf eine iterative Softwareentwicklung und die Bereitstellung von Kundennutzen. Und: Es schuf eine Autonomie und Selbstorganisation innerhalb von Teams. Von da an breitete sich Agile auf alle Unternehmensbereiche aus.

Was ist Agile at Scale?

Die Definition von Agile at Scale beschreibt die ganzheitliche Verankerung von agilen Prinzipien, Denkweisen, Werten und Praktiken in einem Unternehmen. Dabei werden nicht nur alle Mitarbeiter, sondern auch die Programme, Portfolios, IT und Kultur auf Agile umgestellt. Agile at Scale wird sowohl horizontal als auch vertikal in einer Organisation eingeführt. Das Ziel ist es, die Zusammenarbeit und Abläufe zu verbessern und so schneller und flexibler Ergebnisse zu erzeugen.

 

Welche Frameworks gibt es für die agile Skalierung?

Um Agile at Scale in deiner gesamten Organisation umzusetzen, gibt es nicht den einen richtigen Weg. Vielmehr stehen dir verschiedene Frameworks zur Auswahl, mit denen du die agile Arbeitsweise auf allen Ebenen umsetzen kannst. Das hier sind die aktuell wichtigsten Frameworks:

SAFe

Das Scaled Agile Framework (SAFe) stellt dir verschiedene Organisations- und Workflow-Muster zur Verfügung, um agile Praktiken in deiner Organisation zu implementieren. Dabei konzentriert sich SAFe auf die drei Bereiche „Agile Softwareentwicklung“, “Lean-Produktentwicklung“ und „Systemdenkweise“. Es fördert so die Zusammenarbeit und Abstimmung sowie die Ausführung über mehrere Teams hinweg. Wie genau das Framework funktioniert, zeigen wir dir in unserem Blogbeitrag „SAFe® Scaled Agile Framework: Kurz & knackig erklärt“.

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LeSS

Large-Scale Scrum (LeSS) ist ein minimalistisches Framework, das – im Gegensatz zu anderen Frameworks – nur wenige Regeln und Rollen umfasst. Es wendet reguläres Scrum auf groß angelegte Entwicklung an. Dabei nutzen LeSS und SAFe teilweise die gleichen Muster: Beide verwenden Scrum auf Teamebene, ein Backlog für verschiedene Teams, eine teamübergreifende Planung und die Prinzipien der Selbstorganisation. Ein genaueres Bild von LeSS kannst du dir in unserem Blogbeitrag „Large Scale Scrum (LeSS): Eine kurze & knackige Einführung“ machen.

DA

Disciplined Agile (DA), früher als Disciplined Agile Delivery (DAD) bekannt, ist ein Prozessentscheidungs-Framework, das ergebnisorientiert IT-Lösungen ausliefern soll. Das Framework schafft eine Grundlage, um Agile at Scale in großen Unternehmen umzusetzen. Dazu kombiniert es Scrum und Kanban mit Transformationskenntnissen, unter anderem in Bereichen wie Portfoliomanagement, Governance, DevOps, Personalwesen und Finanzen.

Spotify

Eigentlich wollte Spotify gar kein eigenes Framework entwickeln, sondern lediglich Mitarbeiter autonomer und flexibler arbeiten lassen. Mit der Zeit haben sich agile Prinzipien und Praktiken jedoch auf allen Unternehmensebenen so weit entwickelt, dass es zu einem ganzheitlichen Framework wurde. Es handelt sich dabei um ein mitarbeiterorientiertes, autonomes Framework für Agile at Scale. Besonderen Wert legt Spotify dabei auf die Unternehmenskultur und die Netzwerke in der Organisation. In diesem Rahmen hat Spotify unter anderem den Spotify Health Check etabliert. Was du mit diesem überprüfen kannst, zeigen wir dir in unserem Blogbeitrag „Spotify Health Check: Alles, was du wissen musst“.

S@S

Scrum@Scale (S@S) basiert – wie der Name es bereits verrät – auf Scrum. Es handelt sich um eine Erweiterung von Scrum, die in der Regel Unternehmen nutzen, die bereits auf Teamebene mit Scrum arbeiten. Das Framework hat das Ziel, die wachsende Organisation an gemeinsamen Zielen auszurichten. Dabei koordinieren der sogenannte Scrum of Scrums, der aus den Scrum Mastern der einzelnen Teams besteht, und der MetaScrum aller Produktinhaber die Umsetzung des Frameworks.

Übrigens, ein kurzer Hinweis im Kontext agile Transformation: Willst du sicher gehen, dass ihr aktuell die richtigen Prioritäten in eurer agilen Transformation setzt? 

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 Unterschiede zwischen den Frameworks für Agile at Scale

Du hast jetzt einen ersten Eindruck, wie Scaled Agile für Unternehmen funktioniert. Und: Du weißt, welche Frameworks dafür zum Beispiel infrage kommen. Um dich für das richtige Framework zu entscheiden, schau dir in unserer Grafik die Details der einzelnen Modelle an. Auf diese Weise findest du ein Framework, das zu deiner Organisation passt:

Quelle: Scaling agile in large organizations | Atlassian

 

5 grundlegende Prinzipien für Agile at Scale

Unabhängig davon, welchen Ansatz die jeweiligen Frameworks für Agile at Scale verwenden, gibt es 5 Prinzipien, die alle Frameworks vereinen. Diese solltest du in deiner Organisation etablieren und standardisieren:

1. Klar definierte Rollen und Unternehmensstruktur

Es muss eindeutig geregelt sein, wer welche Rolle bei der agilen Transformation im Unternehmen übernimmt. Das bedeutet auch: Die Unternehmensstruktur muss widerspiegeln, wie du Agile at Scale umsetzen willst.

2. Fokus auf Kundennutzen

Du musst jede Aufgabe und jedes Projekt mit dem Ziel angehen, für eure Kunden ein besseres Ergebnis abzuliefern. Besonders wichtig dabei ist, dass das Produkt einen hohen Mehrwert für Kunden aufweist.

3. Agile Praktiken auf allen Ebenen

Du musst agile Praktiken und Rhythmen auf allen Ebenen – horizontal wie vertikal – umsetzen.

4. Kontinuierliche Verbesserung

Am Anfang fällt eure agile Reife niedrig aus. Mit der Zeit sollte diese jedoch stetig wachsen. Zu Beginn erreichst du das, indem du in immer mehr Teams und Arbeitsbereichen agiles Arbeiten einführst. Wenn du agiles Arbeiten im gesamten Unternehmen umgesetzt hast, musst du die bestehenden Prozesse verbessern.

5. Mitarbeiter- und Teamorientierung

Bei agilem Arbeiten stehen stets Mitarbeiter und Teams im Mittelpunkt. Agile verleiht ihnen einen Handlungsspielraum, in dem sie autonom und flexibel agieren und reagieren können.

 

Wie Du Agile in 6 Schritten skalieren kannst 

Unabhängig davon, ob du dich für ein einziges Framework oder für bestimmte Teile von verschiedenen Frameworks entscheidest, ist der Prozess der Skalierung oftmals ähnlich. Du kannst Agile at Scale dabei in diesen 6 Schritten einführen:

1. Definiere den Startpunkt!

Bevor du Scaled Agile für dein Unternehmen angehen kannst, musst du wissen, wo du mit deiner Organisation stehst. Das heißt: Du musst definieren, welche agilen Fähigkeiten und Kompetenzen bereits vorliegen und wie hoch die Bereitschaft im Unternehmen ist, sich voll und ganz einer agilen Denk- und Handlungsweise zu widmen. Erst mit diesen Fakten im Kopf kannst du Strategien und Praktiken einführen, die die agile Transformation in deiner Organisation fördern. 

2. Entwirf eine Vision!

Damit du nicht nur weißt, wo du mit Scaled Agile beginnst, sondern auch, wohin du willst, entwirf eine Vision. Diese muss kein ausführlicher Fahrplan sein. Es reicht, wenn du kurz und knapp eine Vision mit einem klaren Ziel definierst. Das muss keine finale Vision sein. Vielmehr kannst du die Vision auf dem Weg der agilen Transformation immer wieder anpassen. McKinsey hat beispielsweise diese Vision aufgestellt, um die Kultur im Unternehmen agil zu gestalten:

Quelle: Practical lessons on building an agile culture | McKinsey

3. Setze Leader ein!

Eine agile Transformation erfordert Katalysatoren, die das Denken und Verhalten von Mitarbeitern lenken und verändern. Dafür benötigst du Servant Leaders, die dir helfen, Agile at Scale umzusetzen. Das heißt nicht, dass du die gesamte Führungsetage von Beginn an an Bord haben musst. Es reicht, wenn einige wenige Leader Vertrauen in dein Vorhaben haben und dir dafür Budget zur Verfügung stellen. Durch erste Erfolge kannst du dann weiter Vertrauen im Unternehmen aufbauen und so weitere Leader gewinnen. 

4. Entscheide dich für ein Framework!

Um Scaled Agile für dein Unternehmen umzusetzen, benötigst du ein Framework, an dem du dich orientieren kannst. Dies sollte zu deiner Organisation passen. Dabei musst du dich nicht unbedingt für ein einziges Framework entscheiden. Du kannst auch einzelne Bestandteile verschiedener Frameworks für Agile at Scale nutzen. Wichtig ist: Dein Framework sollte die aktuellen Kern-Herausforderungen und Ziele deiner Organisation bedienen. Dafür müssen sich die Framework-Bestandteile am Value Stream orientieren und den Kundennutzen steigern.

5. Starte die agile Transformation!

Du kannst jetzt mit der agilen Transformation beginnen – zumindest theoretisch. Dabei kannst du dir überlegen, ob du eine Pull oder Push Transformation nutzen willst – oder beides kombinierst. Die Frage ist grundsätzlich, ob du Agile at Scale von oben nach unten oder von unten nach oben einführen willst. Unserer Erfahrung nach ist eine Mischung aus beidem besonders erfolgversprechend. Generell gilt: Stell dich darauf ein, dass Teams und Mitarbeiter Fehler machen werden. Lass dich darauf ein und lerne aus den Fehlern. 

6. Führe Retrospektiven ein!

Um zu überprüfen, wie dein Unternehmen mit der agilen Transformation vorankommt, kannst du Retrospektiven nutzen. Du deckst mit diesen auf, wie sich Teams und Prozesse nach und nach auf Agile umstellen. Dabei erkennst du auch wichtige Baustellen in Abläufen und der Zusammenarbeit, die du dann gezielt angehen kannst. 

„If you adopt only one agile practice, let it be retrospectives. Everything else will follow“ 

Woody Zuill (Agile Pioneer & Evangelist)

 

Fazit

Agile at Scale ist keine Aufgabe, die du von heute auf morgen erledigen kannst. Vielmehr ist Agile at Scale ein Prozess, den du immer wieder anpassen musst. Du optimierst Weg und Ziel der agilen Transformation so lange, bis Prozesse und Mitarbeiter voll und ganz agil arbeiten. Um dich und dein Unternehmen bei der agilen Transformation zu unterstützen, haben wir ein Agile at Scale Training entworfen. Dies zeigt dir in verschiedenen Webinaren, wie du eine agile Transformation richtig angehst und welche 7 Fehler du dabei auf jeden Fall vermeiden solltest. Das Agile at Scale Training ist kostenlos. Schau gerne mal rein!

Bonus: 7 KPIs für deine Agile Coaching Performance

Es ist nicht das Kernthema dieses Beitrags, aber ich möchte dir kurz etwas vorstellen, woran wir schon länger arbeiten. Wie du vielleicht weißt, gibt es viele Modelle für “erfolgreiche agile Teams”.

Uns gefällt z.B. die “Scrum Team Effectiveness” Studie, das Team-Flow Modell von Dr. Jeff van den Hout oder das Drive-Modell für intrinsische Motivation (für Quellen und mehr Infos siehe unten).

Wir sind diese Modelle durchgegangen, auf der Suche nach Mustern, nach Gemeinsamkeiten. Und die gibt es! 

Das Schöne für dich: Du kannst jetzt sofort eine Retro in unserem Tool öffnen und das Ergebnis unserer Arbeit – 7 Merkmale von erfolgreichen Teams – im entsprechenden Retro Health Check reflektieren 🙂

Viel Spaß!

Health check radar in Echometer
Wie das Team Health Check Radar in Echometer aussieht.

Bei Interesse findest du hier einen Eindruck und Quellen zu den oben angesprochenen Modellen für erfolgreiche Teams.

Wenn du noch konkreter werden möchtest, findest du hier die konkreten 7 einfachen Merkmale, die du in deiner nächsten Retrospektive reflektieren kannst. Wie du siehst handelt es sich um konkrete Verhaltensanker, die erfahrungsgemäß super Reflexionen und letztlich Action Items in Teams auslösen.

🚦Feedback: Ich bekomme regelmäßig nützliches Feedback darüber, wie gut meine Leistung ist und wie ich mich verbessern kann.

🛍 Kunden-Orientierung: Wo immer möglich, versuchen wir Anforderungen und Lösungsansätze in co-kreativen Prozessen mit unseren Kund*innen zu erarbeiten.

👮🏼‍♀️Rollen: Teammitglieder, Product Owner und Scrum Master teilen das gleiche Verständnis ihrer jeweiligen Rollen im Team.

🍀 Purpose: Mein Beitrag ist für mein Team ein echter Mehrwert.

👔 StakeholderWir schaffen den Rahmen dafür, dass alle relevanten Stakeholder regelmäßig genug an unseren Sprint Reviews teilnehmen können.

🧠 Growth Mindset: Wenn ich will, kann ich mich in allen Bereichen stark entwickeln.

📚 Lernkultur: In unserem Team habe ich keine Angst davor, ‚dumme‘ Fragen zu stellen.

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