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3 unbekannte & interaktive Retrospektive Ideen im Scrum

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Dieser Text zu 3 unbekannten und interaktiven Scrum Retrospektive Ideen lässt sich gut mit einem Zitat von einem Scrum Master der Eucon aus Münster beginnen:

"Als Scrum Master ist es oftmals schwierig, die Retrospektiven abwechslungsreich und spannend zu gestalten. Meist geht das nur mit einiger Vorbereitungszeit, die nicht immer zur Verfügung steht."
Matthias Adames
Scrum Master, Eucon GmbH

Auch ich kenne diese Herausforderung als Scrum Master und Psychologe. Deshalb habe ich hier drei etwa alternative Retrospektive Ideen aus dem Scrum festgehalten. 

Wenn ihr sie mit Storytelling ausschmückt und die Teams allgemein bereit für Abwechslung sind, werden sie euch gute Dienste leisten. Ich muss ergänzen, dass sie teilweise nur für einen bestimmten Reifegrad oder zu bestimmten Anlässen geeignet sind. Und so heißen die drei: Hörensagen, Team-Akronym und der “Konflikte Kompass”.

Retrospektive Scrum Ideen 1: Hörensagen – Das, was gesagt werden muss

Wir steigen ein mit einer starken Retrospektive Scrum Idee, die aus der Psychotherapie stammt. Denn wie schon das empfehlenswerte Buch “The Gentle Art of Asking Instead of Telling” ist nicht die Kunst, Lösungen zu nennen. Sondern die Fragen zu stellen, die zu den richtigen Lösungen hinführen. 

Eine Scrum Master berichtete mir, dass er mit der Retrospektive Idee bzw. Methode wohl einmal einen Volltreffer gelandet hat. Seine Aussage war in etwa so: “Wenn wir in unserer Retro mit Echometer mithilfe dieser Methode nicht einen fundamentalen Teamkonflikt aufgedeckt hätten, wäre dieser Konflikt einen Monat später dreimal so stark auf uns zurück geprallt!” 

Na wenn das so ist. Beginnen wir mit der ersten Frage:

1. Was sage ich nicht, was gesagt werden müsste? 

Natürlich braucht es die entsprechende psychologische Sicherheit (einer der wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Teams), um hier den Elefanten im Raum auszusprechen. Aber auch bei Teams mit geringerem Reifegrad kann diese Frage meiner Erfahrung nach das Team auf neuartige Gedanken oder wichtige Punkte bringen. Die zweite Frage nimmt die persönlichen Empfindungen der Teammitglieder mehr in den Blick.

2. Was höre ich nicht, was gehört werden müsste? 

An dieser Stelle kommen im besten Fall Sorgen oder Bedürfnisse der Teammitglieder zum Vorschein, für die sich häufig nicht genug Raum genommen wird. Ein “typisches” Ergebnis wäre wohl, dass sich jemand im Team häufiger ein “Danke” wünscht. Aber auch ein dritter Aspekt darf nicht fehlen, der auf andere Weise versucht, der Stimme von Teammitgliedern ein Megaphon zur Hilfe zu stellen:

3. Was sage ich, was öfter gehört werden müsste?

Denn häufig nennt man Sorgen, aber sie werden (vielleicht nur subjektiv) nicht ausreichend im Team wahrgenommen oder gewertschätzt. Genau dafür ist diese Frage gedacht.

Retrospektive Scrum Ideen 2: Team-Akronym

Die nächste Idee für eure Retrospektive im Scrum ist etwas für ein wenig Abwechslung und kann in verschiedenen Phasen der Retrospektive genutzt werden. Sie ist ganz simpel, kann aber die Kreativität ein wenig stimulieren.

Der Grundidee ist ganz einfach: Jedes Teammitglied bildet z.B. aus dem Teamnamen, der Teamvision oder Unternehmensnamen selber ein Akronym. Dieses Akronym kann sich zum Beispiel den letzten Sprint beziehen, kann aber auch die Hoffnungen oder Sorgen für die Zukunft beinhalten (im Sinne der Idee der Pre-Mortem Methode). 

Außerdem ließe es sich auch für ein verlängertes Check-In oder Check-Out nutzen oder als Data-Gathering Mechanismus.

Sagen wir zum Beispiel, euer Team heißt TORPEDO und ihr möchtet Daten erhalten zum letzten Sprint. Dann könnte ein Beispiel-Akronym so aussehen:

T erminiert
O ffen
R eifegrad
P lanungslos
E legant
D ankbar
Definition O f Done

Die verschiedenen Punkte dienen also quasi als kreative “Erinnerungsstütze” für die Feedbacks jedes Teammitglieds. Natürlich bedarf es jeweils einer Erläuterung der jeweiligen Person, zum Beispiel:

“Was meinst du mit Reifegrad?” – “Ich habe gemerkt, dass teilweise im Backlog rumgepfuscht wird, ohne dass konkret darüber kommuniziert wird. Damit bin ich ehrlich gesagt nicht ganz zufrieden. Meine Hypothese ist, dass das mit zunehmendem Reifegrad jedoch besser wird – wir sind ja noch ein junges Team. Aber darauf wollte ich mal die Aufmerksamkeit lenken.”

Die einzelnen Wörter müssen also nicht den Kern der Nachricht treffen, sondern sollen das Ganze insbesondere etwas unterhaltsamer und spielerischer machen. Wenn man Lust hat, kann man natürlich auch das kreativste Akronym noch mit einem (symbolischen) Preis küren. Und wenn es nur ein Applaus ist 🙂

Retrospektive Scrum Ideen 3: Einen Konflikte Kompass bilden

Was ich persönlich an einigen Retrospektive Scrum Ideen und Methoden auch von Webseiten wie z.B. Retromat nicht mag (ich nehme mich und Echometer selber nicht aus), ist, dass sie nicht auf eine spezifische Herausforderung des Teams zugeschnitten sind.

Die folgende Retrospektive Methode aber soll das sein – und zwar auf das Thema Konflikte. Konflikte im Team sind normal. Sie sind auch ein Zeichen von psychologischer Sicherheit – den nur bei entsprechender Sicherheit traut man sich, Reibungspunkte und Fehler anzusprechen. 

Trotzdem ist ein gesunder und gezielter Umgang mit ihnen wichtig, um daraus konstruktiv lernen und sich weiterentwickeln zu können. Gerade auch dann, wenn sie vielleicht in der Pubertät des Teams – der “Storming Phase” in der Teamentwicklung – auftreten.

Die Idee und Vorgehen

Die Retrospektive Idee hierbei ist grundsätzlich, einen eigenen Codex bzw. Kompass zu entwickeln, wie man sich bei Konflikten im Team verhalten möchte. Der “Trick” daran ist, dass man ihn nicht von außen vorgibt, sondern eben gemeinsam erarbeitet. So kann dann der in der Psychologie bekannte Effort Justification Effekt wirken.

Konkret ist das Vorgehen (ca. 50 Minuten) folgendermaßen.

  1. Drei Gruppen werden gebildet: Eine Pro, eine Contra und eine Beobachtungsgruppe. Hierbei beachte man, dass die Teams möglichst gut gemischt sind. Potenziell sollten die “typischen” Grüppchen im Team nicht in einer Sub-Gruppe sein.
  2. Ein relativ banales (oder auch nicht so banales) Thema, das im ersten Schritt nichts mit dem Team zu tun hat, wird ausgewählt.
    Je nach Unternehmen könnte man zum Beispiel darüber diskutieren, ob eine Mitarbeiterbefragung anonym durchgeführt werden sollte, ob man verstärkt Home Office im Unternehmen einführen sollte oder ob es eine Frauenquote in der Chefetage geben sollte. Falls diese Themen als zu “konflikt-provozierend” angesehen werden, kann man auch externe Themen wählen, die neutral sein dürften: Sollte es eine Schuluniform geben oder sollten sich die europäischen Staaten politisch noch stärker annähern und zu den “Vereinigten Staaten von Europa” werden?…
  3. Die Teams haben wenige Minuten, um sich ihre Argumente zu überlegen.
  4. Die Diskussion wird entsprechend durchgeführt und die Beobachtungsgruppe macht sich ausgiebig Notizen.
  5. Nach der Diskussion werden gemeinsam die Beobachtungen geteilt, festgehalten und reflektiert.
  6. Auf dieser Grundlage werden gemeinsam drei bis fünf Regeln für zukünftige Konflikte festgehalten. Wie möchte man sich bei gegensächlichen Meinungen verhalten?
  7. Die Regeln werden auf einem Poster für alle festgehalten, ggf. auch noch auf einem digitalen Kanban Board – ein Konflikte Kompass ist entstanden 🙂


Der Konflikte Kompass hilft also dabei, dann eine Richtung vorzugeben, wenn man sich in Konflikten unklar ist, wie man sich verhalten soll. 

Übrigens: Konflikte lassen sich auch vermeiden mit einer gezielten Förderung des richtigen Mindsets. Mehr Infos dazu findet ihr in meinem Artikel zur erstaunlichen Wahrheit hinter dem agilen Mindset.

Weitere Retrospektive Ideen im Scrum

Online lassen sich viele Retrospektive Scrum Ideen finden. Hoffentlich sind euch diese drei aber neu bzw. passen zu euren Herausforderungen.

Weitere Ideen bzw. Methoden für eure Retrospektive, dieses mal durchweg für die Data Gathering Phase, findet ihr übrigens in meinem anderen Artikel dazu: Die Flitzebogen-, Sherlock Holmes- und Rocket-Retro!

Übrigens habe ich ein kostenloses E-book mit weiteren 12 abwechslungsreichen Retrospektive Methoden aus der Psychologie verfasst. Wenn das für euch interessant sein könnte findet ihr unter dem folgenden Link mehr Infos dazu.

Als Scrum Master und Psychologe habe ich ein kostenloses eBook geschrieben – 12 Retro Workshops aus der Psychologie zum Thema „Team Flow & Mindset Change“.

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